Gesund Leben 04 / 2015

Die Kraft der Intuition


Wir müssen in unserem Leben ständig Entscheidungen treffen. Das können kleine Dinge sein wie die Kleidungsfrage, die Wochenendunternehmung oder die Wahl des Radiosenders und eben auch größere Entscheidungen wie Karriere, Familiengründung oder Wohnortwechsel. Wie entscheiden Sie sich? Folgen Sie Kopf oder Bauch? Idealerweise entscheiden beide zusammen. Doch kommen beide zu unterschiedlichen Schlüssen, dann fallen Entscheidungen schwer. Hier hilft die Intuition weiter.

Prof. Dr. Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, beschreibt die Intuition als gefühltes Wissen. „Die Intuition ist sehr schnell im Bewusstsein. Wir wissen nicht, warum dieses Gefühl plötzlich da ist und es lenkt viele Entscheidungen in unserem Leben“, so Gigerenzer.
Intuition ist die unbewusste, ganzheitliche Verarbeitung und Bewertung momentan vorliegender Wahrnehmungen. Der Verstand sollte nicht als Gegensatz dazu gesehen werden, sondern als Ergänzung. Erfolg gelingt optimal, wenn Verstand und Intuition genutzt werden, weil wir dann die Kapazitäten unseren Geistes und unserer Erfahrung bündeln.

Wie kann die Intuition, das „Bauchgefühl“ uns helfen?
Einfache Entscheidungen kann die Ratio, also der Verstand, schnell fällen. Sobald es komplexer wird, wie bei größeren Entscheidungen, wird das Unterbewusstsein zu Rate gezogen. Die Intuition hat schneller den Durchblick, weil sie viel mehr Daten verarbeiten kann. Um eine 100% sichere Entscheidung zu treffen, müssen wir alle Faktoren berücksichtigen, pro und contra abwägen. Dem gegenüber stehen begrenzte Zeit, Umwelteinflüsse, die nicht berechenbar sind, oder begrenzter Verstand. Das heißt, unsere Entscheidungen basieren auf gutem Halbwissen. Und die Intuition kann ein guter Wegweiser sein.

Können wir uns immer auf unser Bauchgefühl verlassen?
Nein. „Am besten sind intuitive Entscheidungen, die von Menschen mit großer Erfahrung getroffen werden“, so Gigerenzer. Die wichtigste Voraussetzung für Intuition ist Erfahrung, die im Kontext der Entscheidung zuvor gesammelt worden ist.
Dr. Maja Storch, Züricher Autorin und Tiefenpsychologin, beschreibt das Bauchgefühl „als eine Art Erfahrungsgedächtnis, das auf dem Boden der Empirie funktioniert“. Es verarbeitet Erfahrungen und versieht sie mit Markierungen. Dieses System ist extrem schnell, durchforstet das Archiv parallel über assoziative Netzwerke, während der Verstand seriell funktioniert und nur eins nach dem anderen erledigen kann, so Storch weiter. Dazu passen auch Erkenntnisse aus der Hirnforschung: Die Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens sammelt, kann das Gehirn speichern. Es hat weiterhin die Fähigkeit, Fehler aufzuspüren und daraus zu lernen.

Lässt sich Intuition trainieren?
Ja, Intuition lässt sich trainieren. Regelmäßige Meditations- und Achtsamkeitsübungen sind ein effektiver Weg, die eigenen intuitiven Fähigkeiten zu schulen. Mit etwas Übung kann jeder das Bauchgefühl zu einem persönlichen Ratgeber entwickeln.

Mehr Hintergründe zum Bauchgefühl werden auf dem diesjährigen Symposium "Bauch & Psyche" vom 24.10./25.10.2015 vorgestellt. Hier zum Programm.

Lernen Sie Meditations- und Achtsamkeitsübungen in der Ausbildung Kursleiter/in Meditation kennen. Sie können damit Ihre eigene Intuition trainieren und/oder Ihre Erfahrungen weitergeben. Nächster Start: 12.02.-15.02.2016 oder 07.04.-10.04.2016.

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Clean Eating: Ernährungstrend aus den USA


Was genau ist „Clean Eating”?
„Clean Eating“ ist einer der neuen Food-Trends, der insbesondere im Internet durch Blogerinnen und Blogger verbreitet wird. Es ist ein Ernährungskonzept, in gewisser Weise auch eine Lebenseinstellung. Die Idee dahinter ist Essen in seiner reinsten Form zu sich zu nehmen (daher „clean“). Dieser Food-Trend setzt sich zum Ziel, sich wieder natürlicher zu ernähren. Es werden natürliche, vollwertige und möglichst unverarbeitete Lebensmittel gegessen. Dabei wird auf stark verarbeitete und industriell hergestellte Lebensmittel ganz verzichtet.

Es gibt dabei Regeln zu beachten, die dem eigenen jeweiligen Ernährungskonzept angepasst werden können. Fünf wichtige Regeln, damit das Essen „clean“ bleibt, sind der Verzicht auf Fertiggerichte, auf jede Art von künstlichen Zusatzstoffen (Konservierungs- , Farb- und Aromastoffe sowie künstliche Süßstoffe) und die Auswahl von gesunden Fetten, wie kaltgepressten Pflanzenölen. Eine wichtige Grundregel dabei ist selber kochen, um Zusatzstoffe zu vermeiden. Des Weiteren werden auch Haushaltszucker und die Verwendung von Weißmehl abgelehnt bzw. vollwertigere Alternativen verwendet.

Was steckt dahinter?
Bekannt geworden ist „Clean Eating“ durch die Amerikanerin Tosca Reno (Fitnessmodel, Kolumnistin und Autorin), die damit eine aktualisierte Form der guten alten Vollwertkost aufgelegt hat.  In Deutschland ist Clean Eating insbesondere durch die Gesundheitswissenschaftlerin Hannah Frey bekannt geworden, die ihr Buch „Clean Eating - Natürlich kochen“ sowie einen Blog mit zahlreichen Rezepten dazu veröffentlicht hat.

Wie ist Clean Eating zu bewerten?
Clean Eating bietet den Vorteil, dass es kein starres Ernährungskonzept vorgibt. Jeder kann, je nach Ernährungsphilosophie, seine Kostform den Vorgaben von Clean Eating anpassen, unabhängig davon ob vegetarisch, vegan, paleo oder omnivor. Viele neue Rezepte bieten Anregung, seinen Speiseplan vollwertiger zu gestalten und weniger auf verarbeitete Fertiggerichte zurückzugreifen. Nicht zuletzt gibt es auch eine Empfehlung von Prof. Leitzmann selbst dazu: „Diese Ernährungsform entspricht der Gießener Version der Vollwert-Ernährung, die wir seit 40 Jahren vertreten und weiterhin wärmstens empfehlen.“

In der Weiterbildung zum Ernährungscoach (IHK) erfahren Sie mehr über Ernährungstrends, Ernährungskonzepte und typgerechte Ernährung, deren Hintergründe und wie sie zu bewerten sind. Nächster Start: 13.11.-17.11.2015 oder 29.01.-02.02.2016.

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 Wie gefährlich sind Schmerzmittel

Kein Medikament wird häufiger und unbedachter eingenommen als Schmerztabletten.
In deutschen Apotheken werden jährlich Schmerzmittel im Wert von 500 Millionen Euro verkauft. Davon sind mindestens 20% nicht ärztlich verschrieben. Allein gegen Kopfschmerzen werden in Deutschland jährlich 2,5 Milliarden Schmerzmitteleinheiten eingenommen. Mit elf Millionen verkauften Packungen belegt das Kombipräparat Thomapyrin (Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Koffein) den ersten Platz. Jedoch warnen Experten vor Schmerzmitteln, in denen Koffein enthalten ist. Koffein, bekannt als Wachmacher im morgendlichen Kaffee, sorgt hier für eine Art Abhängigkeit gegenüber dem Präparat. Zudem unterstützt Koffein nicht nur die als positiv empfundenen Effekte, viel mehr verstärkt es die Nebenwirkungen, welche das Produkt mit sich bringt.

Das British Medical Journal fand heraus, dass die Wirkung von Paracetamol im Verhältnis zu den Nebenwirkungen schwach ist. Bei Arthrose hat es nur geringe Wirkungen, bei Rückenschmerzen so gut wie gar keine. Außerdem fand man in einer Studie der Ohio State University heraus, dass Paracetamol zu einem emotionalen Drop-Out führt – ein Absacken aller Gefühle.

Dank solider Wirkungsnachweise weiß man heute, wie man Tabletten und daraus folgende Belastungen für den Körper aus dem Weg gehen kann. Heilpflanzen sind zum Teil gute Alternativen. Pestwurz wurde schon früher als krampflösendes Mittel eingesetzt. Beispielsweise bei Asthma oder den Blutgefäßkrämpfen der Migräne kann das Kraut deutlich Linderung verschaffen. Die enthaltenen Giftstoffe und schädlichen Alkaloide werden bei der Herstellung ausgewaschen und stellen keine Gefahr dar. Des Weiteren bestätigten Untersuchungen der Schmerzklinik Kiel, dass das Einreiben mit Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen ähnliche Erfolge wie ASS-Tabletten erzielten. Das Öl hat eine kühlende Wirkung und hemmt, wenn es auf Stirn und Schläfen aufgetragen wird, die Schmerzübertragung an das zentrale Nervensystem.

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Rückenschmerzen – Heilpflanzen helfen

Die Therapie chronischer Rückenschmerzen hat mehrere Ansatzpunkte. Bei der Behandlung von Schmerzen ist die Phytotherapie wirkungsvoll. Bereits im Jahr 1763 gab es Berichte zur entzündungshemmenden und Fieber senkenden Wirkung von Weidenrinden. Die damals eingesetzte Tagesdosis von 24 g Extrakt enthielt vermutlich 1000 mg Salicin. Heute werden 120 bis 240 Milligramm pro Tag empfohlen. Für viel höhere Dosierungen (bis zu 720 mg Extrakt), die dann auch starke Schmerzen lindern und gut vertragen werden, gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Teufelskralle stammt aus Afrika und wurde von in Afrika stationierten Soldaten nach Deutschland gebracht. Medizinische Veröffentlichungen aus dem Jahr 1958 beschreiben eine schmerzlindernde Wirkung des wässrigen Extrakts. Heute ist neben der schmerzlindernden auch die knorpelschützende Wirkung belegt. Eine gute Dosis für die schmerzlindernde und Knorpel schützende Wirkung von Teufelskralle sind Produkte mit 50 bis 60 mg Harpagosid in der Tagesdosis. Außer bei Magen- und Darmbeschwerden kann Teufelskralle eingesetzt werden. Aufgrund des Bitterstoffgehalts sollten Menschen mit Gallensteinen die Anwendung mit ihrem Arzt besprechen.

Für die Selbstbehandlung mit Brennnesseln sind 3 Tassen Brennnesseltee oder bis zu 50 ml Frischpflanzensaft geeignet. Frische Brennnesseln können auch zur äußeren Anwendung bei Rücken- und Gelenkschmerzen verwendet werden.

Bei der äußerlichen Anwendung können Extrakte aus spanischem Pfeffer mit dem Wirkstoff Capsaicin verwendet werden. E betäubt die feinen Nervenverbindungen unter der Hautoberfläche, welche die Schmerzen weiterleiten. Nach drei Wochen lindert das dreimalige Auftragen einer Capsaicin-Salbe die Schmerzen bei Weichteilrheuma.

Auch Pfefferminzöl, Beinwell und Arnika werden zur äußeren Anwendungen bei Rückenschmerzen eingesetzt. Studien zur Wirksamkeit gibt es noch nicht doch die Naturheilkunde kennt diese Heilpflanzen schon lange.

Gesundheit ganzheitlich betrachtet. Neben der Naturheilkunde umfasst die Weiterbildung Gesundheitsberater/in (IHK) Aspekte der Ernährung, Entspannung, Bewegung und Salutogenese. Nächster Start: 27.11.-01.12.2015 oder 05.02.-09.02.2016.