Gesund leben 05 / 2015

Darmbarriere im Forschungsfokus

Bei der Entstehung von Krankheiten rückt immer mehr die Darmbarriere in den Fokus der Forschung. Die Darmbarriere ist die Eigenschaft des Darmes sich gegen die Außenwelt in Form von Nahrung und Bakterien abzugrenzen. Unser Verdauungssystem liegt zwar im Inneren unseres Körpers, die Darmwand ist jedoch die Eintrittstür in den Körperstoffwechsel. Die Darmwand ist mit 400 m² die größte Hautoberfläche. Sie ermöglicht die Aufnahme von Nährstoffen und Vitaminen und verhindert das Eindringen (schädlicher) Bakterien. 

Die Darmwand als Abgrenzung 
Die Darmwand setzt sich aus einem dichten Zellverband zusammen. Kleine Zell-Zwischenräume, die tight junctions, schließen die Darmwand zum Darminhalt hin dicht ab. Sie werden deshalb auch als Schlussleisten bezeichnet. 

Werden diese Schlussleisten undicht, erhöht sich die Durchlässigkeit der Darmwand. Zum einen können Wasser, Eiweiße, Mineralstoffe und andere Bestandteile aus dem Blutkreislauf ins Darmlumen einströmen und schwere Durchfälle verursachen. Zum anderen können Bakterien, Nahrungsbestandteile und Giftstoffe ungehindert aus dem Darmlumen in den Blutkreislauf gelangen und zu entzündlichen Reaktionen führen. In der Medizin wird diese Durchlässigkeit als leaky-gut-Syndrom bezeichnet.

Stress beeinflusst die Darmwand
Ein Faktor für eine erhöhte Darmdurchlässigkeit sind dauerhafter Stress bzw. Stresshormone. Bei Stress wird vom Hypothalamus (Zwischenhirn) das Stresshormon CRF ausgeschüttet. CRF-Rezeptoren sitzen auch in der Darmschleimhaut. Dockt das Stresshormon CRF an die Rezeptoren an, werden Mastzellen aktiviert. Die Folgen sind entzündliche Reaktionen im Körper, eine Erhöhung der Darmdurchlässigkeit sowie eine gesteigerte Sekretion.

Neben anhaltendem Stress schädigen auch Medikamente, Nikotin, Antibiotika, ASS, Gliadin oder pathogene Darmbakterien und Viren die tight junctions. Funktionsstörungen der Darmbarriere (leaky gut) wurden bei Zöliakie, Typ-1-Diabetes, Reizdarm-Syndrom und Nahrungsmittelallergien nachgewiesen. 

Probiotika unterstützen eine gesunde Darmbarriere und verringern Entzündungen im Darm
Versuche im Reagenzglas sowie im Tiermodell belegen, das eine gesunde Darmflora die Darmbarriere-Funktion regulieren. Die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut wird positiv beeinflusst und es bilden sich mehr tight junction aus.

Mit Probiotika wie Laktobazillen und Bifidobakterien wird die gesamte Darmschleimhaut gestärkt. Diese dichten die Schleimhaut ab. Leider reicht Joghurt essen allein nicht aus, um ausreichend wirkungsvolle Milchsäurebakterien zu essen. Um effektiv die Darmflora zu stärken wird empfohlen kurmäßig mindestens drei bis sechs Monate täglich 24-48 Milliarden Milchsäurebakterien einzunehmen. Spezielle Präparate mit sehr guten Dosierungen und Milchsäurebakterienmischungen erhalten Sie im Reformhaus oder auch in Apotheken. Weiterhin sollten Lebensmittel mit entzündungshemmenden Eigenschaften gegessen werden. Das sind z.B. Leinöl oder Nüsse mit Omega-3-Fettsäuren, Weizenkeime oder Weizenkeimöl mit Vitamin E sowie Hefeflocken und Vollkornprodukte mit B-Vitaminen. Entzündungsfördernde Lebensmittel sollten reduziert werden, z.B. Schweinefleisch und Lebensmittel mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren.

Entstehen Entzündungsprozesse im Darm durch Stress, Medikamente oder pathogene Keime greifen diese auch die Mikrobiota an. Die Darmwand wird durchlässig und kann zu Beschwerden und Krankheiten führen. Durch eine therapeutische Gabe von Darmbakterien kann die Darmwand gestärkt werden und Krankheitssymptome vermindert werden.

80% des Immunssystem sitzen im Darm. Erfahren Sie mehr über das Mikrobiom und seine Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden. In der Weiterbildung Berater/in Darmgesundheit erfahren Sie, wie die Darmflora gestärkt, beeinflusst und erhalten wird. Nächster Termin: 17.04.-20.04.2016 oder 10.10.-14.10.2016

____________________________________________________________________________

Moderne Kräuterkunde erleben

Immer mehr Menschen entdecken Wildpflanzen als Superfoods. Die Vielfalt der Pflanzen zu erleben und zu verwenden macht Freude, fördert Gesundheit und bietet neue Aspekte des Naturerlebens. Astrid Schmitt-Dossou, Ökotrophologin und Kräuterexpertin, erklärt, warum Kräuter wichtig sind und welchen Vorteil Sie für uns bieten. Ab März 2016 startet die neue Ausbildung zur Kräuter-Erlebnispädagoge/in an der Akademie Gesundes Leben.

Warum sind Kräuter wichtig?
(Astrid Schmitt-Dossou): Kräuter haben die Menschen seit der Steinzeit in ihrem Alltag begleitet. Sie dienen als Naturarzneimittel, als Naturkosmetik, als würzende Zutat von Speisen, zum Waschen (Seifenkraut), zum Reinigen, zum Desinfizieren, als Schmuck, als Duft, für religiöse Zeremonien und vieles mehr. Bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden die Beikräuter auf dem Feld mitgenutzt. 

In den letzten Jahrzehnten wandelte sich die Einstellung grundlegend und in der Allgemeinheit galten diese als unerwünschte, nutzlose Unkräuter. Damit ging ein großer Teil des Kulturwissens der Menschheit verloren. Durch die zunehmenden Bakterien-Resistenzen in den Krankenhäusern wird das enorme Potential wieder geschätzt und durch die moderne Forschung bestätigt.  

Was ist das Besondere an der Ausbildung?
(Astrid Schmitt-Dossou): Die Ausbildung unterstützt den aktuellen Trend zu Selbstversorgergärten, Entschleunigung und Naturerlebnissen.  Der Schwerpunkt liegt in der Wertschätzung von dem, was vor  den eigenen Füßen liegt.  Die heimische Pflanzenwelt in ihrer vielfältigen Verwendungsweise kennen zu lernen und in den eigenen Alltag zu integrieren, ist das Hauptaugenmerk. Dazu gehört eine gewisse Souveränität. Diese wird gestärkt durch die Vermittlung von altem und neuem Wissen und vor allem durch die methodischen Schulungen. Dazu gehören klassische botanische Übungen und erweiterte Formen der Wahrnehmung durch Achtsamkeit, phänomenologische Betrachtungen, wie sie u.a. von dem Naturforscher Goethe entwickelt wurden. Goethes Metamorphosenlehre ist für die Praxis sehr hilfreich. Es entsteht ein inneres Bild der Pflanze in ihrem Lebenszyklus und  das Wiedererkennen in unterschiedlichen Wachstumsstadien fällt leichter. Durch die Schulung und Bewusstwerdung unserer Sinne im Umgang mit Kräutern ändert sich ganz nebenbei die innere Haltung zur Welt und eröffnet neue Horizonte. 

Für wen ist die Ausbildung geeignet? 
(Astrid Schmitt-Dossou): Für alle, die Freude am Umgang mit Wildpflanzen und Kulturkräutern haben, die Neues erforschen und ausprobieren möchten, diese für sich selbst nutzen oder in ihre privaten oder beruflichen Aktivitäten integrieren wollen.  Mit realen Sinneserlebnissen lassen sich alle Altersgruppen ansprechen unabhängig von zeitgebundenen Trends.

Erfahren Sie mehr über Kräuter, Wildpflanzen und Superfoods in der fünfteiligen Weiterbildung "Kräuter-Erlebnispädagoge/in". Nächster Start: 13.03.-16.03.2016 oder 19.03.-22.03.2017.

_______________________________________________________________________

Die Stärke der Rituale

Nach dem Göttinger Hirnforscher Gerald Hüter sind Rituale die Kleinigkeiten des Alltags, die uns das Leben erleichtern. Sie geben uns im stressigen Alltag und schwierigen Lebenssituationen Kraft, Halt und Orientierung. Rituale helfen uns nicht nur den alltäglichen Stress zu bewältigen, sondern nehmen uns auch die Angst vor ungewohnten Situationen. Rituale stärken unser Selbstvertrauen und dadurch unser Wohlbefinden.

Laut Hüter handelt es sich bei Ritualen jedoch nicht um Gewohnheiten, wie z. Bsp. abends den Fernseher einzuschalten, sondern um ritualisierte Handlungen. Es sind Momente des Innehaltens und der Ruhe, wie morgens die Zeitung zu lesen oder nachmittags eine Tasse Tee zu trinken.

In stressigen und ungewohnten Situationen werden von den Nervenzellen unkontrollierte Reize weitergeben. Dies hat einen körperlichen Einfluss auf den Menschen. Die Hände zittern, die Knie werden weich und der Atem stockt. In solchen Momenten können Rituale die Nervenzellen synchronisieren und dazu beitragen, dass die Informationen wieder geregelt fließen. Rituale sind eine Art Bewältigungsstrategie.

Wichtig bei der Wahl von Ritualen: Sie sollten bewusst geschehen und man sollte sich im Klaren über die Handlung sein. Nur so kann die Tätigkeit die neuronalen Prozesse im Gehirn positiv beeinflussen. Bewusste Rituale lenken den Blick nach innen. Sie bewirken, dass wir für einen Moment ganz bei uns sind.

Neben den positivem Nutzen von Ritualen lohnt es sich, auf die Gewohnheiten zu schauen, die sich im Alltag eingeschlichen haben. Möglicherweise tun sie uns nicht in dem Maß gut, und es wäre lohnenswert, sich davon zu trennen. Ein guter Anlass ist es, sich zum Jahreswechsel von alten Dingen zu lösen, damit Platz für Neues entsteht.

In der dreiteiligen Ausbildung Mental Trainer/in erlernen Sie Techniken, mit denen Denk- und Verhaltensmuster aufgedeckt und kreativ verändert werden. Mental Training ist eine umfassende, vielseitige Methode zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise. Nächster Start: 18.03.-22.03.2016 oder 02.09.-06.09.2016.

_______________________________________________________________________

Johanniskraut – Arzneipflanze des Jahres 2015

Die Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg hat Johanniskraut zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gekürt. Die seit der Antike in ihrer Heilwirkung bekannte Pflanze hält immer wieder neues überraschendes therapeutisches Potenzial bereit.

Wurde sie ursprünglich zur Wundheilung und bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt, ist schon im Lorscher Arzneibuch, dem bedeutendsten Medizinbuch des Mittelalters, seine Wirkung gegen „Melancholie“ beschrieben. Verschiedene Wirkstoffe und Wirkmechanismen sind inzwischen bekannt.

Einige Wirkungen sind auch noch heute ungeklärt. Hypericine, eine Gruppe roter Farbstoffe, wirken antiviral und docken selektiv an Krebszellen an. Diese können dadurch leichter entdeckt werden. Hypericine geben bei der Bestrahlung mit bestimmten Wellenlängen freie Sauerstoffradikale ab, die Krebszellen abtöten können.

Auf einer erhöhten Lichtausnutzung beruht wahrscheinlich auch ein Teil der stimmungsaufhellenden Wirkung von Johanniskraut. Die Serotonin-Ausbeute erhöht sich, was zu einer besseren Stimmung führt. Serotonin wird ab Beginn der Dämmerung in Melatonin umgewandelt. Eine höhere Melatoninmenge führt zu besserem Schlaf.

Spezialextrakte werden gegen M. Alzheimer getestet, hoch dosierte Präparate schon länger erfolgreich bei leichten und mittelschweren Depressionen sowie Angstzuständen eingesetzt. An der Wirkung beteiligt sind Hyperforin und andere Stoffe, die u.a. die Menge und Wirkzeit von Signalmolekülen in den Nerven-Zwischenräumen optimieren.

In der Erfahrungsheilkunde wird Johanniskraut als Tee oder Rotöl bei Neuralgien, Hexenschuss, Ischias, Gürtelrose und Rheuma eingesetzt. Bei Reizmagen und Reizdarm gilt es als „Geheimtipp“.

Hochdosierte apothekenpflichtige Johanniskraut- Präparate aktivieren das Medikamente entgiftende Leberenzym CYP 3A4 und erniedrigen so den Spiegel einiger Medikamente: Digoxin (Herz-)Mittel, Immunsuppressiva, Gerinnungshemmer wie Marcumar, Anti-HIV-Mittel und möglicherweise Theophyllin, das bei Asthma eingesetzt wird. Hier entscheidet der Arzt über die beste Therapie-Kombination. Freiverkäufliche Johanniskraut-Produkte haben erwiesenermaßen keinerlei Neben- oder Wechselwirkungen.

Ob die Wirkung der „Pille“ tatsächlich vermindert wird, bleibt weiter eher unwahrscheinlich. Im Vergleich zu herkömmlichen Antidepressiva sind Johanniskraut-Präparate wesentlich besser verträglich. Die erhöhte Lichtempfindlichkeit, die häufig erwähnt wird, tritt höchstens bei sehr hellhäutigen Personen in Form einer leicht erhöhten Sonnenbrandgefahr auf. Schwerwiegende Reaktionen wurden nur bei Rindern und Schafen beobachtet.

Mit einer Doktorarbeit über die Produktion arzneilich hochwertigen Johanniskrauts ist die Akademie-Dozentin Heidi Braunewell ausgewiesene Johanniskraut-Expertin.