Gesund leben 04 / 2018

Hanf in der Schmerztherapie

Hanf ist bekannt als Rauschmittel oder Faser für Stoffe. Besonders die Früchte des Hanfs wurden in der letzten Zeit wieder neu entdeckt. Und auch in der medizinischen Anwendung ist Hanf erfolgsversprechend zum Beispiel bei Übelkeit und Appetitlosigkeit während der Chemotherapie, bei Neuropathien und chronischen Schmerzen. Es wurden antientzündliche und krampflösende Eigenschaften nachgewiesen. Letztere Eigenschaft erklärt den Erfolg versprechenden Einsatz beim restless-legs-Syndrom. 

Die Anbauverbote in vielen Ländern wegen der möglichen Gewinnung rauschverursachender Substanzen trugen mit dazu bei, dass der Hanf über Jahrzehnte in Vergessenheit geriet. Tetrahydrocannabinol (THC) ist der Name des rauscherzeugenden Inhaltsstoffes der weiblichen Blüten- und Fruchtstände, die zu Haschisch und Marihuana verarbeitet werden können. Die Samen und das Öl enthalten kein THC. Im Frühjahr 1996 wurde der Anbau von THC-armen Nutzhanfsorten nach EU-Richtlinien auch in der Bundesrepublik erlaubt. Es dürfen nur zugelassene Sorten mit einem THC-Gehalt unter 0,3 % angebaut werden.

Am stärksten wird zurzeit das Einsatzgebiet als Begleitmedikation bei Chemotherapie erforscht. Übelkeit und daraus folgendes starkes Untergewicht können mit Hilfe von Cannabis-Präparaten gebessert werden. Spastische Lähmungserscheinungen z.B. bei Multipler Sklerose und chronische Schmerzen wie Tumorschmerzen sind der zweitstärkste Forschungszweig. Auch hier zeichnen sich Erfolge ab. Neuropathien, Morbus Crohn und ALS sind weitere Einsatzgebiete, die beforscht werden. Relativ verbreitet scheint bereits die Behandlung von Epilepsie bei Kindern sowie von Psychosen und Angststörungen mit dem Cannabis-Wirkstoff CBD (Cannabidiol) zu sein. Die verwendeten Dosen betragen zwischen 5 und 30 mg/Tag, im Höchstfall 50 mg/Tag bei extremer Übelkeit oder sehr starken Schmerzen. Mit der Entdeckung des komplexen Endocannabinoid-Systems begann ein neuer Forschungszweig der Schmerzforschung. Endocannabinoide sind körpereigene Stoffe, die, wenn sie an die entsprechenden Rezeptoren andocken, Schmerzen lindern. Solche Rezeptoren finden sich im ganzen Körper. Besonders viele sind im zentralen Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark, zu finden. Ausnahme ist das Stammhirn, in dem auch das Atemzentrum lokalisiert ist. 

Demzufolge blockieren die Endocannabinoide nicht das Atemzentrum. Die Blockade selber erfolgt presynaptisch, das bedeutet, dass die Weiterleitung anderer Neurotransmitter (wie z.B. Schmerz verstärkendes Adrenalin Anm. d. Red.) verhindert werden. Die Geschichte der Verwendung von Hanf lässt sich schriftlich bis Dioscurides (512 n. Chr.) zurückverfolgen. Hildegard von Bingen kennt ihn ebenso wie Paracelsus, Fuchs und Samuel Hahnemann. Er war der erste, der neben den damals in erster Linie eingesetzten Samen dem Kraut eine möglicherweise noch stärkere Wirkung zuschrieb. Als 1839 der indische Militärarzt William O‘Shaugnessy in Europa davon berichtete, dass er durch Tetanus ausgelöste Krämpfe und Schmerzen mit Cannabis-Kraut bzw. dem Drüsenharz weiblicher Blüten gelindert habe, sorgte das für Furore. 

Cannabis wurde gegen Schlafstörungen, als Sedativum und Antidepressivum, gegen Asthma, verschiedene Schmerzzustände und zur Nierendurchspülung eingesetzt. Mit dem Einsetzen der modernen Medizinischen Forschung und der Entwicklung von Antibiotika und chemisch-synthetischer Schmerzmittel wurde Cannabis zurückgedrängt. Das lag auch daran, dass das Wirkstoffgemisch pharmazeutisch instabil ist. Dazu kamen rechtliche und wirtschaftliche Aspekte, die die Verarbeitung und Vermarktung zunehmend unattraktiv machte.

Erst mit Beginn der 1990 Jahre kam Cannabis durch die „Flower-Power“-Bewegung wieder in Gebrauch und wurde durch die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems für die Wirkstoff-Forschung und Medizin wieder interessant. 

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Sei kreativ – Blockaden überwinden

„Denk Dir was aus! Sei kreativ!“ Fast jeder hat diesen Satz schon mal gehört und nicht immer sorgt dieser für einen Motivationsschub. Ob bewusst oder nicht, viele Menschen haben die Überzeugung, nicht kreativ zu sein. Doch dabei wird Kreativität häufig missverstanden. Was bedeutet Kreativität? Kreativität kommt von „creare“ und bedeutet soviel wie erschaffen oder gestalten. Wer kreativ ist, ist schöpferisch tätig bzw. verfügt über ein schöpferisches Potenzial. Die dahintersteckende Schaffenskraft äußerst sich in unterschiedlicher Weise. Dies kann ein ästhetisch-künstlerischer Schaffensprozess sein, in der Entwicklung von Produkten oder im Lösen von Problemen.

Kreativität beschreibt die Fähigkeit, über den Tellerrand hinaus zu schauen, Ideen zu entwickeln und bestehendes zu verändern. Es verbinden sich Fantasie und Logik, Denken und Vorstellungskraft. Heißt also, unser Gehirn muss ganzheitlich betrachtet werden: Die rationalen und analytischen Fähigkeiten als auch die spielerischen und bildhaften Fähigkeiten verbinden sich zum Output von Kreativität.

Warum braucht der Mensch die Kreativität? Könnte er nicht auch ohne?  Solange alles beim Alten bleibt, gewohnte Strukturen und Denkmuster nicht verändert werden - schon. Allerdings für Veränderung von Verhaltensmuster, zur Abweichung von Bewährten, zur Entwicklung von Lösungsstrategien ist Kreativität unabdingbar. Dabei ist sie nicht nur eine Eigenschaft, die nur bestimmten Menschen vorbehalten ist, Kreativität ist vielmehr eine Fähigkeit. Fähigkeiten können trainiert, entdeckt, gefördert und gehindert werden, wenn auch in unterschiedlichen Maße. 

Wie kann man Kreativität fördern? Entdecken Sie Ihren kreativen Persönlichkeitsanteil! Das Prinzip der Persönlichkeitsanteile stammt aus verschiedenen Schulen der Psychotherapie. Die Sprache ist dabei von „Identitäten, Sub-Persönlichkeiten“ oder „innerem Team“.  Manche Anteile sind dominanter und stärker als andere. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und lernen Sie ihren kreativen Persönlichkeitsanteil kennen. Offenheit und Neugier fördern die Bekanntschaft. Folgende Fragen können helfen: Wie können Sie Ihren kreativen Anteil zum Leben erwecken? Wie drückt sich dieser aus? Wo ist er Ihnen schon mal begegnet? Welche Voraussetzungen benötigt dieser? Vielleicht hat er eine Form/eine Farbe/einen Namen?

Lösen Sie sich von einschränkenden Sätzen! Glaubenssätze können solche sein: „Ich kann das nicht“, „Da mache ich mich lächerlich“ oder „so was macht man nicht“. Wo kommen diese Sätze her? Welche Erfahrungen haben sie gesammelt? Werden sie sich ihrer inneren Blockaden bewusst und steuern Sie gegen. Mit positiven Gegenargumenten können sie die eigenen Fähigkeiten stärken oder ihre Motivation fördern.

Dranbleiben! Damit mehr aus einer Anfangsidee entsteht, benötigt der kreative Prozess Ausdauer, Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Mit dem nötigen Biss und Mut entsteht mehr als nur der Gedanke „könnte man ja mal machen!“.  Mutig sein! Überwinden Sie ihre eigenen Ängste. Die entstehen, wenn der eigene Anspruch zu hoch ist oder man andere nicht enttäuschen möchte. Stehen sie zu ihren Überzeugungen. Angst hindert, deshalb seien Sie mutig!

Also, wenn Sie das nächste Mal hören: „Denk Dir was aus!“ Dann erinnern Sie Ihre kreativen Anteile und schöpfen Sie daraus! Das gestalterische Potenzial ist Ihnen.

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Die Leber - Energie der Körpermitte

Bereits Paracelsus wusste um die zentrale Leistung der Leber und beschrieb sie als „Alchemist im Bauche“. In der chinesischen Medizin ist die Leber der Motor des Körpers und hilft, dass Qi, die Lebensenergie, frei zirkulieren zu lassen. Die Leber ist die treibende Kraft für Aktivitäten. Somit ist sie unser wichtigstes Stoffwechselorgan und eine echte Leistungsträgerin. Alles was wir essen muss durch unsere Leber und wird dort verstoffwechselt. Die Leber bildet als größte Drüse des Körpers ca. 700 ml Galle täglich, welche in der Gallenblase gespeichert wird. Gallensaft fördert die Fettverdauung. 

Die Leber erfüllt weitere Funktionen: Nährstoffe werden ab- und umgebaut für die Energiegewinnung bereitgestellt. Die Leber speichert aber auch Stoffe wie Vitamin B12 oder überschüssige Kohlenhydrate in Form von Triglyceriden (Fette). Medikamente, Alkohol und „alte“ Blutkörperchen werden über die Leber abgebaut und entsorgt. Zuviel Alkohol, zu viele tierische Nahrungsfette und zu hochkalorische Speisen können die Leberleistung beeinträchtigen. Funktionsstörungen machen sich meist dann bemerkbar, wenn es bereits zu spät ist. 

Aus der Ernährungstherapie und der Naturheilkunde gibt es hilfreiche Maßnahmen, die Leber zu entlasten und in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Die wichtigsten Heilpflanzen, die zur Stärkung der Leber verwendet werden, sind Artischocke und Mariendistel. Bei der Artischocke werden Zubereitungen aus den Blättern, bei der Mariendistel aus den Früchten in verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Besonders das in der Mariendistel enthaltene Sylimarin fördert die Leberregeneration. Mariendistel verhindert schädigende Wirkungen von Lebergiften auf die Leberzelle und verhindert die Schädigung durch freie Radikale. Die Regeneration der Leberzellen wird gefördert. Weiterhin wird die Bildung von entzündungsfördernden Stoffen (Prostaglandine + Leukotrine) in der Leber gehemmt. Artischocke regt die Produktion der Gallensäuren an und fördert den Gallenfluss, welche für eine gute Fett-Verdauung wichtig sind. Weiterbin beschleunigt Artischocke die Ammoniakentgiftung in der Leber und regt die Regeneration an.

Die Leber ist nachtaktiv und regeneriert sich am besten zwischen 1 und 3 Uhr morgens. Daher sollte die letzte Mahlzeit nicht zu spät und weniger fettreich und kalorisch sein. Essenspausen oder auch Intervallfasten entlastet das aktive Organ. Unterstützend wirken auch Leberwickel auf die Erholung. Wer seinem Körper eine Auszeit gönnen möchten, kann dies zum Beispiel mit einer Fastenkur machen. Ob in Eigenregie oder angeleitet in einer Gruppe bietet Fasten eine gute Gelegenheit, den Körper zu entlasten und sich zu erholen.

Erfahren Sie mehr zum Intervallfasten im 3-Tagesseminar Intervallfasten 19.10.-21.10.18.

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Was uns gesund erhält

Neben ausreichender Bewegung, abwechslungsreicher Ernährung unterstützt eine positive Grundeinstellung die Gesundheit. Zahlreiche Studien belegen, wer optimistisch ist und sein Leben genießt, hat bessere Chancen gesund zu bleiben. 

Ob wir zufrieden sind oder nicht, hängt einerseits von unseren Genen ab, aber auch von Erfahrungen, die wir in der Kindheit gemacht haben. Wer im frühsten Kindesalter Fürsorge und Zuwendung erlebt, ist im Jugend- und Erwachsenenalter belastungsfähiger und widerstandfähiger gegen Stress. In der Fachwelt wird diese Fähigkeit als „Resilienz“ bezeichnet. Wer hingegen Vernachlässigung oder sogar Gewalt in frühster Kindheit erlebt, wird später gestresster und weniger belastungsfähig sein. Das seelische Immungleichgewicht ist verschoben. Forscher zeigen: Genetische Informationen können durch Stress verändert werden. Damit beschäftigt sich die Epigenetik. Sie belegt, dass äußere Faktoren ein Gen aktivieren oder deaktivieren können, ohne dabei die im Gen enthaltenen Informationen zu verändern.

Wie zufrieden ein Mensch ist, kristallisiert sich zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr heraus. Das Zufriedenheitsniveau bleibt in der Regel ein Leben lang konstant. Ob nach besonders glücklichen Erlebnissen oder auch nach schweren Schicksalsschlägen pegelt sich das Zufriedenheitsbarometer wieder ein. Die meisten Menschen sind so zufrieden wie zuvor. 

Entwicklungsforscher beschäftigen sich mit der Frage: Warum gelingt es einigen Menschen besser, gravierende Schicksalsschläge zu verarbeiten, als andere? Besonders widerstandsfähige Menschen zeichnen folgende Charaktereigenschaften aus: Optimismus, Humor, Dankbarkeit und Gefühle wahrnehmen. Aber auch die Lust daran, das eigene Leben gestalten zu können, das Leben aktiv und kreativ in die Hand zu nehmen. Ziele zu verfolgen und sich auf Veränderungen einzustellen.

Resiliente Menschen pflegen stabile und emotionale Beziehungen zu anderen Menschen. Positive Beziehungen in der Kindheit als auch im Erwachsenenalter sorgen für eine stabile Widerstandsfähigkeit und sind bedeutsam für Gesundheit und Zufriedenheit. Die Fähigkeit, mit Belastungen gesund umzugehen und das Leben zu genießen, lässt sich trainieren.

Wie Sie Ihre persönliche Resilienz trainieren können im 3-Tagesseminar Was uns stark macht. Nächster Termin: 15.02.-17.02.2019 oder 03.05.-05.05.2019